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1987 – Mensch, das waren noch Zeiten

Fotografie: Adrian in seinem Büro in der Bürger 200, © Jens Rillke 1987

1987 – Mensch, das waren noch Zeiten mag man sagen

Auf dem Foto bin ich in meinem kleinen Technikreich zu sehen, das mein Freund und Bürokollege Jens Rillke von mir machte. Stolz und optimistisch sitze ich da zwischen dem, was damals Stand der Technik war.

An der Wand sehe ich Schwarzweißfotografien, die ich noch selbst im eigenen Labor mit Dunkelkammer entwickelt hatte, so richtig in drei Schalen mit Entwickler, Fixierer und Wasserbad. Später kaufte ich mir dann von Durst so eine kleine Durchlaufentwicklungsmaschine für Fotoabzüge und damit hielt die Farbentwicklung Einzug. Doch die war nicht konstant in der Qualität, so dass wenig später schon eine Colenta aus deutscher Fertigung folgte. Über 20 tausend Mark investierte ich in die – ein batzen Geld für meine Verhältnisse. Doch mit der stieg ich in den Bereich Fachlabor auf. 1989 war Schluss mit dem Labor. Der Computer übernahm fortan meinen Tagesablauf.

Witzig: rechts neben dem Schreibtisch an der Wand sehe ich ein BTX Terminal von der Deutschen Post. Die war 1987 noch Staatsunternehmen und wollte als Behörde angesprochen werden. BTX war echt eine Spielerei, auch wenn es Spass machte, es bleib ohne echten Nutzen. Datex P war auch sowas, was ich ausprobierte. Eine einzige öffentliche Datenbank konnte ich damals anzapfen. Das machte mich zwar unheimlich Stolz, wenn das Modem seine Einwahltöne von sich gab um mich mit der Onlinewelt zu verbinden, gebracht hat es nichts. Internet war das noch nicht.

Links daneben steht mein erster Apple Laserwriter, den ich kurz zuvor zusammen mit dem Mac SE gekauft hatte. Deshalb wohl auch die Fotografie von mir in meinem Reich. Mit dem Laserdrucker machte ich Druckvorlagen für Vereinshefte für Druckereien. Mein erstes Layoutprogramm war Ready, Set, Go von Letraset und der Blocksatz war eine Katastrophe, Silbentrennung gab es nicht. Wenig später kaufte ich mir dann eine Kopie Pagemaker von Aldus Software. Muss wohl Version 1.2 gewesen sein. Damit war dann auch guter Satz möglich. Irgendwann im drauffolgenden Jahr kaufte ich mir einen Flachbettscanner in DIN A4. Graustufen konnte man damit zwar nicht scannen, doch das Gerät war in der Lage, Graustufen in Rastern abzubilden. Das Raster war so grob wie von schlechten Zeitungen gewohnt, aber so waren wenigstens Fotografien darstellbar. Ein Freund und ich probierten das auch gleich mal aus, indem wir ein kleines Anzeigenblatt selbst heraus brachten. Nach vier Ausgaben mit je 1500 Stück Auflage gaben wir wieder auf. Anzeigenverkauf war nicht unser Ding und die lokale Tageszeitung reagierte schnell mit einem Konkurrenzblatt und zehnfacher Auflage. Uns ging das Geld aus. Ich weiss noch, ich einmal bis hinter Göttingen fahren musste, um eine frische Druckauflage abzuholen, denn dort war die Druckerei, die unsere Pagemaker Dateien überhaupt verarbeiten konnte.

Links hinter mir und neben dem Mac SE steht noch mein erster Mac, ein Mac 128. Die 128 bedeutet in diesem Fall 128 KB RAM. Tatsächlich konnte ich damals mit einem Computer mit so wenig Speicher arbeiten. Wenn ich an die heute üblichen 16 GB RAM in meinen Mac denke, kaum vorzustellen. Doch auf meinem ersten Mac hatte ich MS Word und MS Excel laufen. Microsoft Produkte auf einem Mac? Jahre später, als es zwischen Apple und Microsoft so richtig krachte, waren MS Produkte auf Macs total verpönt. MS Excel hat seinen Ursprung als Mac Programm. Zum Mac 128 gehörte auch ein Apple Imagewriter, ein Nadeldrucker, der ein Papier zerschneiden konnte, wenn man den Druckkopf zwei- oder dreimal auf der selben Zeile eine Linie drucken liess. In einigen Arztpraxen findet man solche Urmonster noch, die mit einem unverkennbaren Sound Rezepte bedrucken.

Auf dem Schreibtisch vor mir seht ihr auch ein paar Relikte aus vergangenen Tagen. Zum Beispiel das Gestell mit den Stempeln. Damals zwingend üblich, heute fast ausgestorben. Ich schmunzele heute öfters, wenn ich ein Formular zum ausfüllen bekomme, wo ich am Schluss noch meinen Firmenstempel drauf setzen soll. Die Formulare müssen ihren Ursprung im letzten Jahrhundert gehabt haben.

1987 – Mensch, das waren noch Zeiten

Es war eine schöne Zeit. Hart und manchmal schmerzlich, doch auch schön. Und es war eine Zeit des Aufbruchs für mich. BTX, Datex P, Computer – das brachte mich später zu einem eigenen Fotosatzbelichter und nach der Jahrtausendwende kam ich durch den Großformatdruck zurück zur Fotografie, zu den Ursprüngen meiner Karriere. Gekrönt wurde der digitale Wandel mit den ersten digitalen Fotoapparaten. Eine Olympus zum Knipsen hatte ich, Ilona machte ihre erste Foto-Edition mit einer Minolta Dimage 5 Megapixelkamera und es wurden tolle Aufnahmen. Schön, das ich diese Entwicklung erleben durfte, denn ohne hätte ich diesen Rückblick nicht machen können. Danke.

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